Muss das sein?

Als Homann mit seinem „Veggie Fleischsalat“ um die Ecke kam, bekam ich vom Kopfschütteln fast Nackenschmerzen. Wieso, fragte ich mich. Wieso nennt man ein vegetarisches Produkt „Fleischsalat“? Wollen die Vegetarier es so? Oder ist die Zielgruppe vielleicht eine andere? Pseudo-Vegetarier? So nach dem Motto: Ich esse schon Fleisch, aber nicht aus Fleisch?

 

Nur ein Einzelfall?

Eher nicht. Das Phänomen der paradoxen Namensgebung scheint sich auszubreiten: Auch von Gutfried oder Wiesenhof erhält man vegetarische Fleischwurst, Rostbratwürste oder Mortadella. Gab es all diese Sachen schon früher und ich hab sie bloß nie bemerkt? Möglich. Diverse TV-Spots vegetarischer Fleischprodukte fallen mir zwar in letzter Zeit besonders häufig auf, aber eigentlich spielt es auch keine Rolle. Fakt ist: Die Regale mit vegetarischen und veganen Produkten werden immer dichter bestückt. Von Würstchen über Schnitzel bis Gulasch findet man dort eigentlich alles.

Ist das jetzt schlecht?

Nein, prinzipiell ist das sicher eine positive Entwicklung. Denn ohne entsprechende Nachfrage würden die Hersteller ihr Veggie-Sortiment wohl nicht stetig erweitern. Ernähren sich also immer mehr Menschen vegetarisch? Mancherorts mag man diesen Eindruck sicher kriegen. Vegetarische und auch rein vegane Restaurants sprießen aus dem Boden wie Osterglocken und Tulpen dieser Tage. Liest man jedoch andernorts, man solle doch einmal die Woche einen vegetarischen Tag einlegen, um die Umwelt zu schonen (50 ways to help the planet, Nr. 8), verpufft dieser Eindruck ziemlich schnell wieder. Müsste es nicht umgekehrt sein?! 

Klar, auch ich hab mal Lust auf Fleisch, allerdings eher selten und meist dann, wenn ich etwas esse, zu dem ich letztes Jahr noch ein totes Tier auf dem Teller gehabt hätte. Wie beispielsweise Kartoffelsalat. Mit Fleischpflanzerl oder Wiener Würstchen. Und als es das letzte Mal selbstgemachten Kartoffelsalat gab, habe ich im Supermarkt tatsächlich nach vegetarischen Würstchen Ausschau gehalten *schuldig*. Der Preis hat mir dann aber doch die Sprache verschlagen, vor allem im Vergleich zu den nicht-vegetarischen Angeboten. Und dann muss man auch noch aufpassen, nicht daneben zu greifen. Denn zumindest in meinem Stamm-Supermarkt findet man zwischen veggie auch normale Würstchen und umgekehrt.

Unterm Strich

Auf mich wirkt die Bestückung des Veggie-Regals zumindest teilweise eher wie eine (vorübergehende?) Modeerscheinung als eine ernsthafte Reaktion auf die wachsende Weltbevölkerung und knappe Ressourcen. Grundsätzlich finde ich es sicher nicht schlecht, wenn man auch als Vegetarier mal ne Wurst essen kann. Besonders im Sommer, wenn Freunde und Bekannte Steaks und Buletten auf den Grill legen, bin ich um manche Produkte sicher froh. Und vielleicht haben bis dahin auch die Namensgeber dieser Produkte verstanden, dass Vegetarier eben gerade kein Fleisch essen wollen. Und manche vielleicht auch nichts, was so heißt.

 

PS: Auch wenn ich die letzten 433 Wörter darüber verloren habe, wie unsinnig ich Namen wie „Veggie Fleischsalat“ finde, hab ich bei der aktuellen Gratis-Testen-Aktion von Homann zugeschlagen. Seither steht der Veggie Fleischsalat bei mir im Kühlschrank. Ungeöffnet. Richtig Lust darauf hatte ich bisher nicht.

16 Comment

  1. Ich finde auch einfach den Gedanken, sogenanntes Fleisch „aus irgendwas anderem“ zu essen, total abstoßend. Das vermittelt so das Gefühl, dass ich nicht so recht weiß, was ich da esse (es sei denn, ich schaue mir die Inhaltsstoffe an, aber so weit kommt es aufgrund des komischen Namens gar nicht) Dann nennt es doch „Seitan-“ oder „Tofu-“ oder Sonstwassalat. Aber der Mensch ist wohl ein Gewohnheitstier, das keine neuen Namen lernen kann. Oder wird mal wieder von der Industrie für blöder gehalten als er ist 😀

    1. Ganz deiner Meinung! Besonders Veggie Geflügelsalat, da wird die Art des Nicht-Fleisches sogar benannt. Ich versteh das alles nicht…

  2. Darüber habe ich mir in letzter Zeit tatsächlich auch immer mal wieder Gedanken gemacht, auch, da ich über eben jenen „Veggie Fleischsalat“ stolperte und mich darüber ein wenig lustig machte.
    Grundsätzlich kann ich – zumindest bei einigen Produkten – den Wunsch von sich fleischfrei ernährenden Menschen nach einem Ersatzprodukt total verstehen. Wenn die fleischessenden Freunde zum Hotdog-machen und zum Burgerabend einladen, dann ist es einfach ungemein praktisch, zum fleischfreien Ersatz in der gleichen Form zu greifen. Das habe ich auch schon oft getan, zumal mir eine Marke von „fleischlosen Würstchen“ ganz besonders gut schmeckt. Da kontere ich dann auch gerne mal, wenn sich Fleischesser darüber lustig machen, dass die Vegetarier wohl doch von Würstchen und Schnitzeln nicht loseisen können. Das normale Würstchen oder Schnitzel „wächst“ ja auch nicht so am Tier, sondern ist eine Konvention der Gesellschaft, dieses Fleisch in dieser Form zu essen – aus welchen Gründen auch immer. So gibt es also einige Produkte, die ich mehr als verständlich finde.
    Trotzdem finde ich, sollte man alle diese Produkte mit einem kritischen Blick untersuchen: Was ist das, was ich da kaufen und/oder essen will, was ist da drin, will ich das? Und sich gegebenfalls nach Alternativen umsehen, diese Form selbst nachzumachen – es gibt ja viele tolle Rezepe, bspsw. für Bohnenburger.

    Und natürlich sollte man sich, wenn man sich gesund und abwechslungsreich ernähren will, egal ob nun vegetarisch, vegan oder andersweitig, nach Gerichten umsehen, die so toll und lecker sind, dass man kein Ersatzprodukt braucht oder vermisst.

    Wie gesagt…eine objektive und kritische Hinterfragung finde ich sinnvoll, kann aber manche Dinge auf jeden Fall verstehen. Da mir die Gedanken dazu schon so lange im Kopf waren, musste ich sie jetzt einfach mal rauslassen, als ich über diesen Eintrag stolperte.

    Ganz liebe Grüße,

    Marie-Louise

    1. Lea says: Antworten

      Da bin ich voll und ganz bei dir! Auf Inhaltsstoffe achten glaube ich auch heute nur wenige. Und es gibt ja gaaaanz viele Möglichkeiten, lecker und gesund zu essen. Vielleicht sollte man in diesem Fall auch nicht von Ersatzprodukten oder Alternativen sprechen, denn das vermittelt ja schon, das irgendwas fehlt… Dabei können diese „Ersatzprodukte“ ja auch an und für sich gut schmecken und zu neuen Gerichten kombiniert werden.
      LG Lea

  3. Hallo
    Den Bericht finde ich gut sowie auch Deine Meinung. Ich bin kein Vegetarier, teste aber gerade „Vegetarischen Genuss von Herta“ in den Geschmacksrichtungen: Pfeffer-Lyoner, Mortadella und Bierschinken. Auch ich habe mir schon Gedanken über die Namensgebung gemacht und frage mich ob „echte“ Vegetarier diese Assoziation überhaupt wollen.
    LG Perdita

    1. Lea says: Antworten

      Danke dir! Ich glaube, wenn auf den Produkten „Geschmacksrichtung: Mortadella“ oder irgendwas in der Art stehen würde, wären viele schon weniger irritiert als es jetzt der Fall ist. Natürlich ist und bleibt es Haarschneiderei und tut letztlich auch wenig zur Sache. Die Diskussion finde ich dennoch interessant 😉
      LG Lea

  4. Ich denke echte Vegetarier oder Veganer, die streng danach leben mögen die Bezeichnung weniger. Der normale Bürger, der Fleisch mag, aber gern umstellen möchte oder viel weniger Fleisch konsumieren möchte, stört sich daran nicht. Mein Ziel ist es größtenteils wieder vegan zu leben, weil meine körperliche Verfassung wesentlich besser war als jetzt, wo ich wieder vegetarisch lebe und, ja – 4 x im Jahr Fleisch esse. Also bin ich im Moment zu einem Flexitarier mutiert. Deshalb ist für meine Umstellung der vegetarische Fleischsalat schon gut. Ich kann mich damit etwas überlisten. Außerdem gaukelt er den echten Fleischgeschmack vor. Für mich super, um wieder komplett vom Fleisch wegzukommen. Ich weiß auch gar nicht warum einige sich so darüber aufregen. Ist doch nur ein Name und soll Fleischesser anlocken. Damit diese auch sehen, wie toll vegetarisch schmecken kann. Echte Veggies brauchen das nicht 🙂

    1. Lea says: Antworten

      Da hast du wohl Recht. Dass die Hersteller mit der Bezeichnung auch Fleischesser an vegetarische Ernährung ranführen möchten, kam mir zunächst gar nicht in den Sinn. Aber ob die Absichten wirklich so gut sind, wage ich dann doch zu bezweifeln. Wahrscheinlich möchten die entsprechenden Konzerne, die ja meist aus dem Fleisch- und Wurstsortiment kommen, einfach noch mehr Leute zu ihren Kunden zählen. Letztlich profitiert aber jeder von einer großen Auswahl, sowohl Fleischesser als auch andere.
      LG Lea

  5. Ich hab vor einiger Zeit mal eine Kochbuch-Leserunde zu einem veganen Kochbuch mitgemacht und da den Autor gefragt, warum vegane Gerichte genau so heißen wie normale nicht-vegane. Seine Antwort war für mich irgendwie logisch. Wenn ich meine Essgewohnheiten umstellen möchte, dann suche ich im Internet nicht nach „Kichererbsen-Naturtofu-Kala Namak-Salat“ sondern nach „veganem Eiersalat“. Als nicht-Vegetarier hat man ja zuerst einmal keine Ahnung davon, wie ein „Salat mit Eiergeschmack“ auf vegane Art gemacht werden könnte – man hat also kein Suchkriterium für ein Rezept.

    Je mehr man sich mit dieser Form der Ernährung beschäftigt, desto weniger interessant sind/werden die Fertiggerichte mit nicht-veganen-Namen.

    LG Babsi

    1. Lea says: Antworten

      Selber machen ist natürlich immer noch die beste Lösung 😉
      LG Lea

  6. Annika says: Antworten

    Hallo, also ich hab bisher echt viel Fleisch gegessen und meine Schwester ist seid vielen Jahren Vegetarier und über sie kam ich an ein vegetarisches Schnitzel und war total begeistert. Seid dem greife ich öfters zu den vegetarischen Varianten weil sie sehr lecker sind und ich dann halt kein Fleisch esse. Wir finden die Bezeichnung überhaupt nicht schlimm und lieber so als garkeine vegetarischen Varianten

    1. Lea says: Antworten

      Wenn man als bisheriger (Viel-)Fleischesser öfter mal zu so was greift, um den Fleischkonsum zu reduzieren oder auch einfach nur weils schmeckt, finde ich das auch gut 🙂
      LG Lea

  7. Hallo Lea, ich bin gerade auf Facebook über deinen Artikel gestolpert und finde gut, dass das mal jemand ausspricht. Allein schon, wenn ich die Bezeichnungen lese, vergeht mir der Appetit. Ich kann also gut nachvollziehen, dass dein Nicht-Fleischsalat noch im Kühlschrank liegt. Was mich bei dem großen veganen und vegetarischen Angebot stört, sind die ganzen tierischen Ersatzstoffe. Wozu braucht man veganen Käse mit xy Zusazstoffen oder warum muss alles aus Soya sein? Ich selbst esse sehr gern vegan und hin und wieder auch Tofu und Soyaprodukte. Allerdings bin ich der Meinung, dass man sich grundsätzlich auch hier über die Ökobilanz Gedanken machen müsste, wenn man den konsequent sein will.

    Wie dem auch sei. Ich freu mich auf weitere interssante Artikel von dir 🙂

    1. Lea says: Antworten

      Danke Nicole! 🙂 Ja irgendwie hatte ich bisher wirklich einfach keine Lust auf „Fleischsalat“. Dass die meisten Ersatzprodukte aus Soya gemacht sind, finde ich auch nicht wirklich toll, denn für die zum Anbau benötigte Fläche wird ja auch massenweise Regenwald abgeholzt. Aber ich finde es immer noch besser, selbst Soya-Produkte zu essen als es erst an Tiere zu verfüttern und diese dann mit einer noch schlechteren Ökobilanz zu verzehren. Einen richtig guten ökologischen Fußabdruck hat man wohl nur, wenn man versucht den Großteil seiner Nahrungsmittel im Garten anzubauen (wenn man denn einen hat) und auf viel tierisches verzichtet.
      LG Lea

  8. Ich musste grade lächeln beim Lesen. Nicht wegen dem, was du geschrieben hast, denn da bin ich deiner Meinung. Aber weil du es überhaupt geschrieben hast und was du als Aufhänger genutzt hast. Ich habe selbst letztens erst einen Artikel dazu geschrieben.
    Und jetzt fällt mir beim Schreiben ein, dass du das ja weißt, da du da kommentiert hattest 😀 Naja, immerhin ist es mir überhaupt noch eingefallen. Mein Gedächtnis ist momentan ein bisschen löchrig…
    Liebe Grüße
    Alexandra

    1. Lea says: Antworten

      Haha, lieber ein löchriges Gedächtnis als gar keins 😉 An deinen Artikel kann ich mich auch noch erinnern 😉
      LG Lea

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